Eine Wohnung, eine Arbeit und gute Freunde

Das Selbstvertrauen junger Menschen, die mit Schizophrenie diagnostiziert wurden, speist sich zumeist aus einer Ablehnung der Diagnose. Oft genug zerbricht das Selbstvertrauen, wenn die Diagnose unabweisbar ist durch mehrere psychotische Episoden und Krankenhausaufenthalte. Meine Erfahrung ist, man muss bereits sehr selbstbewusst und erfahren sein, um die Diagnose akzeptieren zu können, ohne sein Selbstvertrauen zu verlieren.

In einem guten amerikanischen Artikel über Schizophrenie heißt es, dass Schizophrenie auch oft das ist, was man glaubt. Jemand, der nicht glaubt, dass er eine schwerwiegende psychische Krankheit hat, die sein Leben zerstören wird, fährt besser. Jemand, der glaubt, dass er eigentlich so, wie er ist, ganz ok und normal ist, fährt besser. Wer an eine positive Entwicklung in seinem Leben glaubt und versucht darauf hinzuarbeiten, dem wird es besser ergehen.

Schizophrenie ist in den meisten Fällen eine Erkrankung, die uns über Jahrzehnte begleitet. Sie kann jederzeit besser oder schlechter verlaufen. Sie kann jederzeit ausheilen oder chronisch werden. Sie kann! Wer aber versucht, an sich zu arbeiten, beruflich etwas zu machen, Neues zu lernen, besser für sich zu sorgen, sich selbst und anderen Gutes zu tun – für den wird diese Schizophreniegeschichte gut ausgehen.

Ich glaube, einer der wichtigsten Trends in der gegenwärtigen Forschung zu Schizophrenie ist es, von dem Bild einer rein biologischen Erkrankung, die zwingend durch Medikamente kontrolliert werden muss, Abstand zu nehmen. Stattdessen sehen heute viele Menschen Schizophrenie als eine Erkrankung an, für deren Verlauf es etwa entscheidend ist, ob der Betroffene eine schöne Wohnung hat, eine Arbeitsmöglichkeit und ein paar Freunde.

Recovery heißt oft nicht mehr als das: eine gute Wohnsituation, eine gute Arbeitssituation, einige gute Freunde. Niemand glaubt heute mehr, dass die Medikamente heilen. Niemand glaubt heute mehr, dass die Therapien heilen. Und was heißt überhaupt Heilung? Gut mit dem Leben klarkommen – darum geht es.

Mit Schizophrenie diagnostizierte Menschen brauchen eine Wohnung, eine Arbeit und Freunde. Das ist wichtiger für ihre Langzeitperspektive als Medikamente. Könnten Sie sich vorstellen, Betroffene in ihrem Umfeld so zu unterstützen, dass deren Leben gut läuft?

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