Gast-Blogger Peter Mannsdorff über das Schreiben

Gerade in der Vergangenheit gab es Menschen, die durch ihre Kunst ‚verrückt’ geworden sind. Ich, Peter Mannsdorff, Jahrgang 1957, habe mich bemüht, den umgekehrten Weg zu gehen.

1984 hatte ich mehrere ‚Schlüsselerlebnisse’, die mich damals vollkommen aus der Bahn geworfen und eine Reihe schwerer Psychosen in mir ausgelöst hatten. Ich verspürte den manischen Drang, jeder und jedem von meinen Erlebnissen zu erzählen. Heute glaube ich, dass ich im Wahn geendet wäre, wenn ich nicht mit dem Schreiben begonnen hätte. Das Schreiben wurde für mich quasi zur ‚Überlebensstrategie’, zum ‚Muss’, um innere Wogen zu glätten, aufzuarbeiten und auf Spurensuche zu gegen.

Bevor ich begann, meine Erfahrungen mit meiner strapaziösen Beziehung zu meiner französischen Freundin aufzuschreiben (Der implodierte Mann), war mein Kopf wie ein moddriger Teich, das Wasser war unklar, undurchsichtig. Mit dem Schreibprozess setzte sich der Schlamm auf den Grund – meine Seele wurde klarer.

Als ich Anfang der 90-er Jahre im Psychiatrie Verlag das Verrückte Wohnen, einen humoristischen Erlebnisbericht über eine therapeutische Wohngemeinschaft in Berlin-Lankwitz, veröffentlichen konnte, hatten sich für mich Weichen gestellt: Nach dem abgebrochenen Romanistik- Germanistikstudium wurde das Schreiben zu meiner Nische, es war nicht Beruf, vielmehr Berufung.

Inzwischen veröffentliche ich im www.shift-selbstverlag.de, in dem ich in den vergangenen Jahren über 20 Titel herausgebracht habe. Das Schreiben hat sich für mich verselbstständigt, es dient nicht mehr der reinen Seelenarbeit, sondern behandelt auch den so genannten Wahnsinn des Alltags. Gerne schreibe ich Kinder- und Jugendliteratur, wobei ich mir u.a. auch Vater-Sohnkonstellationen ausdenke, in denen der Vater unter einer psychischen Erkrankung leidet (z.B. die Robbi-Ritter-Trilogie oder Die Mutter aus der Schatzkiste (Buchecker Verlag, 2011). Ich habe selbst keine Kinder und mal mir in diesen Romanen aus, wie mein Sohn reagiert hätte, wenn ich in meinen turbulenten Zeiten Kinder gehabt hätte.

Heute bin ich stabil. Ob ich mich gesund geschrieben habe, weiß ich nicht, denn der Schlamm auf dem Grund des Sees kann jederzeit wieder aufgewühlt werden, wenn ihn ein unvorhergesehenes Ereignis oder eine Person, die unverhofft in mein Leben tritt, mit einem Stock wieder aufwühlt …

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.