Schizophrenie und Berufswahl

Die meisten der von Schizophrenie betroffenen Menschen haben keine Erwerbsarbeit. Die Mehrheit wünscht sich aber Erwerbsarbeit. Wie können die Menschen eine Nische auf dem Arbeitsmarkt findet?

Ganz wichtig ist die richtige Berufswahl. Wenn die Menschen von einer psychischen Erkrankung betroffen sind, verlieren sie oft die Fähigkeit, irgendeinen Job zu machen. Sie können aber durchaus sehr kompetent sein in bestimmten Arbeiten, wenn sie für diese begabt sind.

Meine Erfahrung ist, dass ich in vielen Jobs völlig hoffnungslos bin und ständig krank werde, aber bestimmte Stellen, die auch durchaus anspruchsvoll sein können, gut ausfüllen kann. Es kommt also bei der Berufswahl darauf an, etwas zu finden, das man trotz der Erkrankung gut machen kann. Dabei sollte man nicht zu sehr darauf sehen, ob das auch gut klingt und viel Geld bringt. Es kommt schließlich in allen Dinge mehr darauf an, wie man ist als was man ist.

Leider sagen die Gesellschaft und einige Ärzte, dass von Schizophrenie betroffene und eingeschränkt arbeitsfähige Menschen keine anspruchsvollen Arbeiten machen sollten. Deshalb gibt es in den Behindertenwerkstätten und im Zuverdienst immer nur ganz einfache Arbeiten. Für manche mag das gut sein, andere suchen anspruchsvolle Arbeiten. Das Ziel müsste sein, die Arbeit – egal ob einfach oder anspruchsvoll – zu finden, die die kranken Menschen machen können, ohne immerzu über die Krankheit zu stolpern.

Leider beurteilen die Gesellschaft und auch die Ärzte immer eine vermeintliche allgemeine Arbeitsfähigkeit. Das JobCenter sagt etwa, dass die Menschen alle Arbeit annehmen müssen, also allgemein arbeitsfähig sein müssen. Bei den kranken Menschen ist es aber nicht gleichgültig, welche Arbeit sie machen. Menschen mit Schizophrenie sind nicht allgemein arbeitsfähig, sondern sie haben die Fähigkeit bestimmte Arbeiten zu machen, andere Tätigkeiten dagegen nicht.

Warum helfen wir nicht einfach den kranken Menschen herauszufinden, welche Arbeit sie ausfüllen könnten? Wäre das nicht viel besser, als sie über Transferleistungen unglücklich durchzufüttern? Ist es wirklich so schwierig, sie nach ihren Berufswünschen zu fragen, das in einem Praktikum und Training auszuprobieren und dann darin zu unterstützen, wenn das das Richtige für sie ist? Warum hört die Gesellschaft nicht auf, kranken Menschen zu sagen, dass sie entweder zu jeder Arbeit fähig sein müssen oder gar nicht arbeiten dürfen?

One comment

  1. Danke für diese wahren Worte!
    Ich kann (und will) auch einfach nicht verstehen, warum Menschen immer wieder über EINEN Kamm geschert anstatt als Individuen mit ganz individuellen Bedürfnissen und Vorlieben behandelt zu werden! Wir sind nunmal alle anders (egal, ob mit oder ohne psychische Erkrankung)!
    Gottseidank gibt es immer mehr Menschen und Institutionen, die flexibel und offen auf den/ die Einzelnen eingehen, so meine Erfahrung Doch gesamtgesellschaftlich und gerade im “System Arbeitsmarkt” ist da tatsächlich noch einiges an Öffnung und Bewegung möglich *hoff*
    (Ich beiße mich übrigens gerade durch die Lernerei auf die Prüfung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie – um dann u.a. nach der personzentrierten Methode Carl Rogers’ meine zukünftigen Klienten dabei zu unterstützen, ihren ganz individuellen, auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmten Weg im “Dschungel unseres Arbeits- und Gesellschaftssystems” zu finden.)
    Ganz herzliche Grüße- und danke für diesen augen-öffnenden Blog
    Karen Laubinger

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