Menschen mit Schizophrenie und Arbeit auf dem 1. Arbeitsmarkt

Gerade diese Woche habe ich meine neue Stelle als Erfahrungsexpertin bei einem psychosozialen Träger begonnen. Wie also sieht das aus, wenn Menschen mit Schizophrenie auf dem 1. Arbeitsmarkt beschäftigt sind?

Das kann ganz gut klappen, wenn der kranke Mensch die für ihn richtige Nische findet. Es muss einfach die richtige Art von Arbeit sein. Wichtig ist auch, die richtige Stundenzahl zu finden. Die Arbeit muss den Stärken des Betroffenen entsprechen, er muss sie gut bewältigen können.

In vielen Fällen stellt Schizophrenie für den Betroffenen nur in den Akutphasen ein Problem dar. In den oft langen stabilen Phasen zwischen den Akutphasen sind viele der Menschen normal arbeitsfähig. Und warum sind dann so viele Menschen mit Schizophrenie arbeitslos?

Manchmal gehen Arbeitsverhältnisse und auch andere Beziehungen in den Akutphasen in die Brüche, da die Menschen sich dann sehr seltsam und komisch verhalten, was von ihrem Umfeld schief angesehen wird. Manchmal sind die Menschen in den stabilen Phasen durch depressionsähnliche Symptome wie gelähmt. Manchmal bricht die Erkrankung so früh in das Leben des Menschen ein, dass er nicht die Fähigkeiten entwickeln kann, die man in der Arbeitswelt braucht. – Viele Menschen mit Schizophrenie aber könnten auf dem 1. Arbeitsmarkt tätig werden, wenn sie die passende Chance dazu erhielten.

Das Wichtigste wäre sicherlich, wenn die Menschen die Krankheit am Arbeitsplatz nicht verstecken müssten, wenn man einen Notfallplan mit dem Arbeitgeber absprechen könnte, wenn Verständnis da wäre für Schwankungen in der Leistungsfähigkeit oder Grenzen der Belastbarkeit. – Zurzeit haben nur wenige kranke Menschen das Glück, einen derartig verständnisvollen Arbeitgeber zu finden.

Tatsache ist, dass der Verlauf einer Schizophrenieerkrankung besser ist, wenn der Mensch Arbeit hat. Es wirkt sich sehr förderlich auf den Erkrankungsverlauf aus, wenn der Mensch in eine Arbeit eingebunden ist. Darum wäre es so schön, wenn das vielen kranken Menschen ermöglicht würde. Und es würde diese Menschen glücklich machen und ihre Krankheit weniger belastend.

Warum klingt das eigentlich so illusorisch? Könnten Sie sich vorstellen, mit einem Menschen mit Schizophrenie am Arbeitsplatz zusammenzuarbeiten? Vielleicht muss das gar keine Illusion bleiben…

3 comments

  1. Hallo,
    ich leide selbst unter paranoider Schizophrenie und muss leider sagen dass man in meiner Reha Bildungseinrichtung gesagt bekommt dass man niemanden von seiner Krankheit berichten soll. Und das zurecht viele verwechseln Schizophrene mit Psychopathen . Ich kenne aber auch einen Schizophrenen der im Praktikum das tat was seine Stimmen im Kopf ihm sagten. Aber seit dem er weiß dass er Schizophrene ist hört er nicht mehr auf diese Stimmen er ist jetzt ein hervorragender Physiker geworden mit Best-Noten . Ich denke wenn man mit der Krankheit gut umgehen kann und man in Behandlung ist ist ein Arbeitsplatz das Beste . Ich kenne mehrere mit Schizophrenie und muss sagen eine Freundin ein Job der Spaß macht und man mit der Bezahlung zufrieden ist ein guter Freundeskreis einfach ein zufriedenes Leben lässt bei mir die Krankheit fast völlig verschwinden. Leider verstehen Mitmenschen oder Fremde diese Krankheit nicht und haben keine Ahnung wie sie damit umgehen sollen oder was sie vielleicht falsch machen . Man sollte die Krankheit verschweigen

  2. Meine Ärztin hat mir auch empfohlen, bei der Jobsuche nichts von meiner Erkrankung zu sagen. Es gibt dadurch natürlich einen ganz schönen Druck, genauso wie alle zu sein, keine Symptome zu zeigen. Menschen, die unter Schizophrenie leiden, müssen sich manchmal eine Auszeit gönnen. Aber wie erkläre ich das dem Chef? Die schlimmste Zeit habe ich schon länger hinter mich gebracht. Ich könnte mir nun vorstellen, jeden Beruf auszuführen. Aber wenn man mir ein bisschen Verständnis entgegenbringen würde, könnte ich noch viel mehr leisten und wär wahrscheinlich bald sehr glücklich.

  3. Ich habe zuletzt drei erfolglose Umschulungen in der Pflege hinter mir, vorher hatte ich ein Hochschulstudium in meiner noch gesunden Phase abgeschlossen. Irgendwann muss man sich eingestehen, dass man anscheinend erhebliche Einbußen in der Leistungsfähigkeit hat. Rentenberechtigt wäre ich knapp von den Beitragsjahren her. Aber die Rente an sich wäre wirklich wenig.
    Nun kommt erst einmal die Reha. Ich denke, es wird schwer, offen mit der Erkrankung auf dem Arbeitsmarkt umzugehen.

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